Wie bauen Pferde Muskeln auf?

Wie gelingt es, den Muskelaufbau beim Pferd zu fördern? Wer bei seinem Pferd eine Veränderung in der Muskulatur sehen will, sollte diese zunächst verstehen. Wir von marstall geben eine kurze Einführung: Wie ist die Muskulatur des Pferdes aufgebaut? Was ist beim Training zu beachten? Und welchen Einfluss hat die unterstützende Fütterung?


  • Distanz- oder Springpferd
  • Aufbau der Muskelfasern
  • Muskelreize beim Pferd setzen
  • Rückenmuskeln aufbauen
  • Unterstützende Fütterung
  • Ist zu viel Eiweiß schädlich?
  • Wie viel Protein pro Ration?
  • Junge Pferde antrainieren
  • Muskelaufbau braucht Zeit
  • Fazit
Pferd gallopiert über Wiese

Die Muskulatur, die Pferdehalter trainieren möchten, ist die Skelettmuskulatur. Sie setzt an den Knochen oder Knorpeln an. Diese Muskulatur ist unter dem Mikroskop betrachtet quergestreift. Das unterscheidet sie von den Herzmuskeln und der sogenannten glatten Muskulatur, die in den inneren Organen wie dem Darm vorliegt.

Distanz- oder Springpferd

Es gibt noch eine weitere Unterscheidung, und diese ist wirklich überraschend: Je nach Rasse hat das Pferd einen kleineren oder größeren Anteil an Muskeln, die vom Fasertyp her eher für Schnellkraft oder eher für Ausdauerleistungen geeignet sind. Rassen, die für Schnellkraft gezüchtet wurden, zum Beispiel Cuttingpferde oder Springpferde, haben einen großen Anteil an so genannten Fast-Twitch-Fasern. Diese Muskelfasern ziehen sich schnell zusammen, haben eine mittlere dichte feiner Blutgefäße (Kapillaren), arbeiten überwiegend anaerob (Energiebereitstellung ohne Sauerstoff) und können bei längerer Belastung auf den aeroben Stoffwechsel (unter Einsatz von Sauerstoff) umschalten. Sie sind weniger ausdauernd wie Slow-Twitch-Fasern, die sich langsamer zusammenziehen. Diese Faserart findet sich in großen Anteilen bei Pferderassen, die für Distanzen oder Zugleistungen gezüchtet wurden. Sie arbeiten mit Sauerstoffüberschuss und können ruhige Ausdauerleistungen ohne großen Kraftaufwand umsetzen. Diese Muskelfasern sind dunkelrot und somit optisch viel farbiger als die Fast-Twitch-Fasern. Das Verhältnis von Fast-Twitch- zu Slow-Twitch-Fasern innerhalb einer Muskelgruppe wird genetisch vererbt.

Aufbau der Muskelfasern

Betrachtet man Muskeln unter einem Elektronenmikroskop, dann sieht man, dass die einzelnen Muskelfaserbündel im Pferdekörper als kleinste Einheiten aus sogenannten Fibrillen aufgebaut sind. Diese wiederum bestehen aus den beiden Eiweißen Myosin und Aktin, die perfekt zusammenspielen. Wird ein Muskel gebeugt, verkürzt er sich, indem sich Myosin und Aktin übereinander schieben. Wird ein Muskel gestreckt, schieben sie sich wieder auseinander.

Bild

Muskelreize beim Pferd setzen

Das Training wird wie beim Menschen auch beim Pferd unterschieden zwischen der Arbeit im aeroben und anaeroben Bereich. Im aeroben Bereich arbeiten bedeutet, dass auf Sauerstoffbasis Energie gewonnen wird. Das Training im aeroben Bereich ist größtenteils ermüdungsfrei. Der Körper schaltet auf den anaeroben Bereich um, wenn dem Pferd entweder die Puste ausgeht, oder es schnell starten muss. Rennpferde, die nur für rund eine oder zwei Minuten volle Leistung bringen müssen, arbeiten zum Beispiel im Rennen im anaeroben Bereich. Dieses Arbeiten im anaeroben Bereich bedeutet Energiegewinnung ohne Sauerstoff. Das ist wesentlich belastender für den Stoffwechsel und daher nur für kurze Zeit für den Organismus machbar.

Zellschäden reparieren

Bei längerer Arbeit im anaeroben Bereich müssen danach im Extremfall Zellschäden, zum Beispiel winzige Mikro-Risse der Muskelfasern, behoben werden. Ein Beispiel für andere Effekte bei Höchstleistungen: Tests bei Distanzpferden nach sehr anstrengenden Strecken haben ergeben, dass ihr Blut einen höheren Harnstoffgehalt aufweist. Das lässt sich damit erklären, dass ein rapider Gewebeabbau zur Gewinnung von Glukose (Muskelnahrung) aus Protein (Eiweiß) stattfand. Der dabei anfallende Harnstoff muss über die Nieren entsorgt werden, was für den Gesamtorganismus des Pferdes durchaus belastend ist.

Rückenmuskeln aufbauen

Um jegliche Muskeln zum Wachstum anzuregen, muss auf einen Muskelreiz eine Ruhepause folgen. Das bedeutet zum Beispiel: Auf ein anstrengendes Training folgt ein Tag mit lockerem Longieren, dann kommt ein Tag mit lockerem Reiten, und danach wird erst wieder anstrengender trainiert. Innerhalb dieser Zeit mit nur leichter Bewegung passiert im Pferdekörper dennoch viel: Die Durchblutung der beanspruchten Muskeln wird verstärkt, Zellen werden erneuert, und die im Training belasteten Muskelregionen werden aufgebaut, damit sie den nächsten Trainingsreiz besser umsetzen können. Besonders hilfreich für die Rückenmuskulatur sind Phasen mit Vorwärts-Abwärts-Reiten.

Unterstützende Fütterung

Pferde brauchen schnell verfügbare Kohlenhydrate für die Muskelaktivität genauso wie hochwertige Proteinquellen für den Muskelaufbau. Kohlenhydrate sind in Heu, Gras und auch in Getreidefuttermitteln enthalten. Proteinquellen kann man entweder durch Naturstoffe wie Bierhefe, Leinschrot, Luzerne und Soja zufüttern. (Stichwort Soja: Die deutschen Produktionen von marstall sind Mitglieder im Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e.V., kurz VLOG. Sie produzieren nach dessen Standard und sind VLOG-zertifiziert.)

Oder aber man ergänzt die Futterration des Pferdes gezielter mit einem Produkt wie dem marstall Amino-Muskel Plus, das Aminosäuren in Reinform enthält. Aminosäuren sind nämlich die Bausteine der Proteine (Eiweiße). Gezielter bedeutet hier, dass sicher ist, wie viele der notwendigen Aminosäuren garantiert im Dünndarmbereich aufgenommen werden können. Bei Naturstoffen gibt es immer wieder natürliche Schwankungen in der Verdaulichkeit. Nur im Dünndarm ist jedoch eine gute Aufnahme sichergestellt. Hersteller sind übrigens nicht dazu verpflichtet, zu kennzeichnen, wie viel des ausgewiesenen Rohproteins schon im Dünndarm aufgenommen werden kann. Marstall kennzeichnet dies durch die Angabe pcv Rohprotein (präcaecal verdaulich = dünndarmverdaulich) bei allen relevanten Produkten zusätzlich in der Deklaration.

Ist zu viel Eiweiß schädlich?

Die Sorge, den Pferden zu viel Eiweiß, also Protein zu füttern, ist immer noch in den Köpfen vieler Pferdehalter verankert. Eine kurzfristige Überversorgung mit 200 Prozent verursacht wenig direkte gesundheitliche Probleme. Die Menge an nicht-dünndarmverdaulichem Rohprotein stellt jedoch eine Mehrbelastung von Leber und Nieren dar. Daher kommt es bei der Betrachtung der Proteinmenge in einer Futterration entscheidend auf den Anteil des nicht belastenden und äußerst nützlichen pcv Rohproteins an.

Wie viel Protein pro Ration?

Grundsätzlich werden für Warmblutpferde (600 kg) 365 Gramm für die Erhaltung und 481 Gramm, wenn sie leicht arbeiten (betrifft den Großteil aller Reitpferde), dünndarmverdauliches (pcv) Rohprotein empfohlen. Ein junges Warmblutpferd (19. bis 24. Monat) benötigt mehr, 405 Gramm, eine laktierende Warmblutstute deutlich mehr, z.B. am Tag 30 der Laktation 1.000 Gramm. Diese Werte entstammen den „Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden“ (GfE, 2014).

Junge Pferde antrainieren

Besonders junge Pferde in der Grundausbildung, die Reitpferde-Muskulatur erst noch aufbauen müssen, und laktierende Stuten brauchen reichlich hochwertiges Protein in der Futterration. Die beste Wirkung entfaltet ein Aminosäure-Produkt wie das marstall Amino-Muskel PLUS, wenn es innerhalb einer Stunde nach dem Training gefüttert wird. Ansonsten wird eine erhöhte Aminosäurengabe vor einer intensiven Trainingseinheit empfohlen.

Übrigens haben Studien unter anderem gezeigt, dass …

  • schon allein die Zugabe der essenziellen Aminosäure Lysin bei Junghengsten zu deutlich besserer Muskelentwicklung führte.
  • zugefütterte Aminosäuren zu reduziertem Proteinabbau (Proteolyse) im Muskel bei Laufbandtraining führten.
  • verzweigtkettige Aminosäuren den Proteinaufbau im ruhenden Muskel erhöhen und damit den Muskelaufbau in der Erholungsphase fördern.

Muskelaufbau braucht Zeit

Beim Muskelaufbau verändern sich die Zellen der Muskeln. Die Anzahl der Muskelzellen nimmt nicht zu, wie man denken würde, sondern die Zellen werden größer. Studien haben ergeben, dass je nach Rasse und Reitdisziplin mindestens zehn Tage vergehen, bis erste Anpassungen an die Trainingsreize im Gewebe sichtbar werden. Und noch 34 Wochen nach Trainingsbeginn konnten immer noch Veränderungen festgestellt werden. Es ist also konsequentes Training in Abwechslung mit Ruhephasen über einen längeren Zeitraum nötig, um die Muskulatur des Pferdes optimal aufzubauen und zu kräftigen.

Fazit

Wer die Muskulatur seines Pferdes nicht nur durch gezieltes Training, sondern auch Fütterung unterstützen möchte, ist gut beraten auf einen ausreichenden Gehalt an dünndarmverdaulichem (PCV) Rohprotein in der Futterration zu achten.

Quellen

  • „Pferdefütterung“, Helmut Meyer, Manfred Coenen, Enke Verlag
  • „Fohlengesundheit durch richtige Fütterung“, Franziska Vogl, Dirk Winter, Birgit Jostes, Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen
  • https://weiterbildung-pferd.de/2017/07/17/fohlengesundheit-durch-richtige-fuetterung/
  • Nutrient Requirements of Horses, National Research Council oft he National Academies, 2007
  • Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden, GfE, 2014
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