Welches Futter hilft bei Magengeschwüren?

Magengeschwüre kommen beim Pferd viel häufiger vor als bisher angenommen. Wir wollten von Dr. med. vet. Henning von Lützow wissen, ob es einen Zusammenhang zwischen Magengeschwüren bei Pferden und der Fütterung gibt – als Auslöser und auch bei der Genesung.


marstall: Von Magengeschwüren liest und hört man in letzter Zeit immer mehr. Ist das gerade ein „Trendthema“ oder leiden wirklich so viele Pferde darunter?

Dr. von Lützow:Bisher wurde bei den Symptomen oft einfach nicht der Zusammenhang zum Magen hergestellt. Heute weiß man, dass Magengeschwüre viel häufiger vorkommen, als man es bisher gedacht hat.

marstall: Gibt es eine bestimmte Rassedisposition oder einen bestimmten Einsatz des Pferdes, der Magengeschwüre begünstigt?

Dr. von Lützow: Die Krankheit betrifft nicht nur Sport- und Rennpferde, sondern auch Freizeitpferde und sogar Zuchtstuten und Fohlen. Stress spielt mit Sicherheit eine große Rolle, aber ganz entscheidend ist auch die Fütterung.

marstall: Inzwischen gibt es zahlreiche wissenschaftliche Studien zur Entstehung von Magengeschwüren bei Pferden. Was haben die Wissenschaftler herausgefunden?

Dr. von Lützow: Die Studien haben gezeigt, dass die Fütterung einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung von Magengeschwüren hat, aber mehr noch: Allein eine mehrwöchige Fütterung eines getreidefreien und dadurch stärkereduzierten, faserreichen und fettreichen Futters kann zu einer deutlichen Verbesserung bereits vorhandener Magengeschwüre führen.

marstall: Können Sie uns exemplarisch beschreiben, was bei solchen Studien untersucht wird?

Dr. von Lützow: In der Ausgabe 3/18 des Fachmagazins „Pferdeheilkunde“ wurde z. B. eine aktuelle Studie vorgestellt, bei der der Einfluss einer faser- und fettreichen Diät (FFD) auf die Verbesserung von Magengeschwüren beim Pferd untersucht wurde. An der Studie nahmen 34 Pferde teil. Alle Pferde wiesen mindestens einen EGUS-Grad 2 auf – das ist der Grad der Schäden an der Magenschleimhaut, bei dem diese bereits deutlich sichtbar sind.

Eine Gruppe der Pferde, die Kontrollgruppe, erhielt Mash, Müsli und Hafer als Kraftfutter. Die andere (FFD-Gruppe) bekam stattdessen eine spezielle Diät mit viel Rohfaser und hohem Fettanteil. Heu erhielten natürlich beide Gruppen gleich.

Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Rationen war der unterschiedliche Stärkegehalt. Bei der FFD-Gruppe lag dieser bei 0,09 g/kg KM, bei der Kontrollgruppe bei 1,38 g/kg KM (das sind 45 g Stärke bzw. 690 g bei einem 500 kg schweren Pferd).

Das Ergebnis nach acht Wochen war, dass sich der EGUS-Grad der FFD-Gruppe deutlich verbessert hatte ─ bei einigen Pferden sogar auf 0. Die Magenschleimhaut-Schäden bei den Pferden der Kontrollgruppe dagegen blieben nahezu gleich.

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marstall: Das Fazit also in einem Satz?

Dr. von Lützow: Die Studie zeigt: Bei Pferden mit Magengeschwüren sollte unbedingt auf die Menge an Stärke im Futter geachtet werden. Am besten wird die Heilung durch getreidefreies, faserreiches und fettreiches Futter unterstützt.

 marstall: Sollte man also bei der Pferdefütterung gleich grundsätzlich auf Getreide verzichten?

Dr. von Lützow: So pauschal kann das nicht beantwortet werden. Eine Zulage von Kraftfutter ist von der Leistung, die das Pferd bringen soll, abhängig. Das gilt sowohl für die Faser-Fett-Diät (FFD) als auch für die konventionelle Mash-, Müsli- und Hafer-Fütterung. Beim Freizeitpferd ist ein Großteil des Energiebedarfs mit der Heufütterung, die mindestens 1,5 kg pro 100 kg Lebendmasse beträgt, abgedeckt. Eine individuelle, auf den Typ des Pferdes (Rasse, leichtfuttrig oder schwerfuttrig, Leistung) abgestimmte Kraftfutterzulage ist am besten durch eine Rationsberechnung zu realisieren.

marstall: Bei welchem Verhalten meines Pferdes sollte ich hellhörig werden und einen Tierarzt hinzuziehen, um ein Magengeschwür abklären zu lassen?

Dr. von Lützow: Hinweise auf Magengeschwüre können z. B. Symptome wie häufiges Gähnen, Flehmen, Zähneknirschen, unterbrochene Futteraufnahme, Umschauen zum Bauch, Veränderungen des Kotes in Konsistenz und Geruch oder Gewichtsverlust sein.

marstall: Gibt es Medikamente bei Magengeschwüren, die der Tierarzt verschreibt? Und welche Stoffe können gegebenenfalls helfen?

Dr. von Lützow: Der Tierarzt wird oft den Wirkstoff Omeprazol einsetzen, wie er beispielsweise in GastroGard oder Pepticure enthalten ist. Dieser unterdrückt die Magensäuresekretion und ist als verschreibungspflichtiges Tierarzneimittel auf dem Markt. Laut einer Studie von Köller et al. aus dem Jahr 2010 fördert z. B. ein Pektin-Lecithin-Komplex in Verbindung mit Magnesiumhydroxid und Lebendhefe, wie er in marstall ProGastro enthalten ist, einen gesunden Magen.

Doch egal ob Arznei oder Zusatzfutter ─ für die langfristige Magengesundheit muss die tägliche Futterration stimmen: ausreichend Rau- und Faserfutter, so viel Stärke wie nötig, aber so wenig wie möglich und zusätzlichen Energiebedarf gegebenenfalls durch die Zugabe von Ölen abdecken.

marstall: Vielen Dank für das Gespräch!

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Expertenmeinung

Dr. med. vet. Henning von Lützow

Der praktische Pferdetierarzt mit eigener Praxis beschäftigt sich seit seiner Studienzeit an der Universität München ganz besonders mit der Fütterung von Pferden. „Es ist enorm, welch großen Einfluss die Fütterung auf die Gesundheit der Pferde hat“, begründet er sein Interesse. Seit 2009 ist er beratender Tierarzt bei marstall. Neben dem Studium der Tiermedizin an der LMU München machte er eine Zusatzausbildung in Homöopathie und Akupunktur und ist Mitglied in der Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM) sowie in der Gesellschaft für Ganzheitliche Tiermedizin (GGTM) und in der International Association for Veterinary Homeopathy (IAVH). Außerdem ist er Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Zeitgemäße (+ Selektive) Entwurmung (AG.ZE). www.tier-arzt-praxis.de

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